Wieviel Leistung soll oder darf ein Verstärker in
Relation zu den Lautsprechern haben?
Zuerst einmal die schlechte Nachricht: Es gibt keine pauschale Antwort,
die nicht von Ihrem eigenen Verhalten abhängig wäre.
Nun aber die gute Nachricht: Wenn Sie die folgenden Zeilen lesen und
beherzigen, halten Ihre Boxen länger - ungeachtet der Leistung.
Wie die Leistung mit der Lautstärke zusammenhängt:
Unser Ohr nimmt Lautstärkeunterschiede nicht linear wahr, sondern
logarithmisch. Das Verkältnis von der kleinsten wahrgenommenen Lautstärke
bis zur Schmerzgrenze beträgt ca. eins zu 1.000.000.000.000 ! (Auch das
Auge vermag ein ähnlich großes Verhältnis zu erfassen.) Damit ein
Lautsprecher doppelt so laut klingt, brauchen Sie nicht die doppelte
Leistung, sondern die zehnfache! Für die vierfache Lautstärke
also schon die hundertfache, u.s.w.! Wenn Sie also nicht
"Vollgas" hören, wird Ihr Verstärker meistens weit unterhalb
eines Watts arbeiten, bei geringer Lautstärke unterhalb eines
tausendstel Watts. Sie sehen aber auch, daß ein Verstärker immerhin
1000 Watt benötigt, um doppelt so laut zu werden wie ein Verstärker
mit 100 Watt, 10.000 Watt für die vierfache Lautstärke!
Nun gibt es aber offensichtlich Anlagen, die weitaus lauter sind als
andere. Dies liegt am Wirkungsgrad. Ähnlich wie bei einem Automotor,
der bestenfalls ein Drittel der eingesetzten Energie an die Räder
bringt, sieht es bei Lautsprechern aus. Allerdings liegt dort der
Wirkungsgrad meistens weit unter einem Prozent. Professionelle Systeme
mit sehr großen Abmessungen für Konzerte erreichen bis zu 10 oder gar
20 Prozent. Diese sind dann weitaus lauter bei gleicher Verstärkerleistung!
Bei einem Auto wollen Sie auch hohe Geschwindigkeit, nicht hohen
Verbrauch. Das ist aber nicht dasselbe. Ein Auto kann bei Tempo 120 6
Liter Benzin verbrauchen, ein anderes 15.
Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad zu bauen ist nicht einfach - ähnlich
wie ein Auto das sparsam sein soll. Man benötigt große Magnetantriebe
an den einzelnen "Chassis" und große Gehäuse. Verzichtet man
auf tiefen Baß, so geht es auch kleiner. Die Physik ist nicht zu überlisten,
für tiefen Baß benötigen Sie immer verhältnismäßig große Gehäuse
oder enorme Verstärkerleistungen unter Einsatz aktiver Entzerrungen
(Equalizer sozusagen). Aber das ist auch nur eine Notlösung, die -
falls gut ausgeführt - weitaus teuerer als ein großes Gehäuse ist. Für
den Baß brauchen Sie auch die meiste Leistung, der Hochtöner erhält
selten mehr als ein hundertstel der Gesamtleistung. Extrem laute
Hochtonsysteme für Live-Konzerte, wo alleine der Hochtöner über 15
Kilo wiegen kann, haben elektrische Spitzenleistungen von selten mehr
als 30 Watt. Baßsysteme mit bis zu tausend Liter Nettovolumen können
Chassis mit über 1000 Watt elektrischer Belastbarkeit aufweisen. Solche
Chassis kosten aber auch oft mehr als 1000 DM pro Stück, und sind für
kleine Gehäuse völlig ungeeignet.
Welche Leistungsangaben git es?
Nun, es gibt hauptsächlich die Sinus-Leistung, die Musik-Leistung und
"rosa Rauschen". Die Sinus-Leistung ist wenig aussagekräftig,
die Musikleistung noch weniger, am ehesten ist die Leistung gemessen mit
rosa Rauschen geeignet. Allerdings sagen diese ja nichts über die
Lautstärke aus.
Der Wirkungsgrad wird in Dezibel pro Watt und Meter angegeben. (dB/W/m)
Er sollte nicht unter 86 liegen, gute Werte sind 90, professionelle
Systeme erreichen Werte von 96 und darüber. Die Sinusleistung sagt aus,
bis zu welcher Leistung ein Lautsprecher bei der angegeben Frequenz überlebt.
Allerdings ist ja die Belastbarkeit von der Frequenz abhängig, sie ist
im Baßbereich viel höher. Die Musikbelastbarkeit soll das tatsächliche
Geschehen besser simulieren, sie wird nicht dauerhaft gemessen, sondern
nur in Sekundenlänge mit Sekundenabständen. Dies entspricht eher der
Musik mit ihren unterschiedlichen Lautstärken.
Das rosa Rauschen enhält nicht eine einzige Frequenz, sondern das ganze
Frequenzspektrum in einer ungleichmäßigen Verteilung. Die Leistung
nimmt zu hohen Frequenzen hin ab - so wie es in der Musik tatsächlich
der Fall ist. Die Zusammensetzung ist genormt und reproduzierbar. Dieses
rosa Rauschen ist das einzige verwendete Maß im Profi-Bereich. In der
HiFi-Industrie ist es eher ungebräuchlich, da die Werte sehr viel
niedriger ausfallen. Die meisten Lautsprecher besitzen hier Werte unter
100 Watt - wo ein HiFi-Hersteller nach üblichen Angaben getrost 600
Watt oder mehr Musikbelastbarkeit angeben würde. Die
Belastbarkeitsangaben gemessen mit rosa Rauschen sind direkt miteinander
vergleichbar - ungeachtet des Herstellers. Zusammen mit den angegebenen
Wirkungsgraden können Sie sofort wissen, wie laut die Systeme absolut
und im Vergleich zueinander sind. Hiervon kann der HiFi-Kunde nur träumen.
Macht mein 250 Watt Verstärker meine 100 Watt Lautsprecher kaputt?
Nehmen wir an, dies wären Angaben in rosa Rauschen. Dann wäre (wenn
die Musik eine normale spektrale Verteilung hat) dies nach einiger Zeit
(Minuten) Volleistung der Fall.
Bei der Angabe von anderen Lautsprecher-Leistungen (DIN, Sinus, Musik)
ist dies ein Ratespiel. Wenn der Verstärker nicht ins clipping
gefahren wird (s.u.) und die Boxen noch nicht verzerren, ist die Gefahr
klein.
Macht mein 100 Watt Verstärker meine 250 Watt Lautsprecher kaputt?
Definitiv ja, wenn Sie folgendes beherzigen:
Sobald ein Lautsprecher Signale bekommt, die außerhalb des
Frequenzbandes liegen, für das er gedacht ist, wird er sehr schnell
zerstört! Ein Hochtöner ist mit 5 Watt Baßsignal oder Gleichstrom (=
Frequenz von 0 Hz) schnell zerstört. Er kann dem Signal in der
Geschwindigkeit nicht mehr folgen, verharrt in einer festen Position und
muß nun alle Energie komplett in Wärme umsetzen.
Bei Gleichspannung kann er außerdem weit über die mechanisch
akzeptable Grenze raus- oder reingedrückt werden - die Aufhängung reißt.
Ein Hochtöner kann wegen der steifen Aufhängung nicht langsam bewegt
werden, ein Baßlautsprecher wegen des hohen Gewichtes der Membran nicht
schnell. Gleichspannung oder hohe Frequenzen außerhalb des Hörbereiches
zerstören daher die Lautsprecher schnell. Als Grenze kann man annehmen,
daß 5 Watt Gleichspannung oder extrem hohe Frequenzen einen Hochtöner
zerstören, 50 Watt einen Baß.
Ein Verstärker, der über seine Leistungsgrenze getrieben wird, gerät
ins "clipping". Da die Versorgungsspannung Plus und
minus XXX Volt beträgt, kann kein Signal unverzerrt größer werden als
diese Spannung.
Wird das Signal aber noch größer von ihm abverlangt, so wird alles über
und unter dieser Versorgungsspannung waagrecht abgeschnitten. Diese
abgeschnittenen Stücke entsprechen aber einem Gleichspannungssignal, da
während deren Dauer keine Bewegung mehr erfolgt. Zudem passiert dies ja
auch noch bei der maximalen Leistung, die ein Verstärker überhaupt
abgeben kann. Diese Form der Verzerrungen führen also zum sehr
schnellen Tod der Lautsprecher - auch wenn der Verstärker nur 50 Watt
hat, aber auf den Boxen 500 Watt draufsteht! Es kommt noch schlimmer:
Die meisten Verstärker arbeiten in diesem clipping-Bereich so unsauber,
daß sie Hochfrequenzsignale hinzumischen - sie "schwingen".
Diese HF-Signale tun ihr Übriges während den Phasen zwischen den
abgeschnittenen Bereichen. Außerdem wird Ihr Verstärker selbst nach
einiger Zeit zerstört.
Auch die Kuzschlußschutzschaltungen sprechen hier oft nicht mehr an.
Sie sind dafür ausgelegt beim Einschalten des Verstärkers zu testen,
ob die Kabel in Ordung sind. Brennt Ihnen ein Lautsprecher bei höchster
Leistung durch, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß er einen
Kurzschluß erzeugt. Die Schutzschaltung ist bei dieser Leistung nicht
mehr schnell genug, den Verstärker zu schützen. Sie dürfen nun
wahrscheinlich Ihre halbe Anlage zu uns bringen.
Demzufolge ist ein Verstärker mit höherer Leistung sicherer als einer
mit geringerer. Er wird erst viel später ins clipping getrieben, da er
mehr Reserven besitzt.
Ein Anhaltspunkt sind immer Ihre eigenen Ohren:
Sobald Sie bei hoher Lautstärke höhrbare Verzerrungen wahrnehmen, sind
Ihre Lautsprecher in allergrößter Gefahr!
Drehen sie den Lautstärkeregler einige Milimeter weiter zurück als bis
zu dem Punkt, ab dem die Verzerrungen hörbar werden. Denn den genauen
clipping-Punkt, wo das Abschneiden der Signale einsetzt, können Sie
noch nicht hören. Die Verzerrungen liegen dann nur in den absoluten
Spitzenpegeln, und werden so von der restlichen Musik maskiert.
Weitere Gefahrenquellen:
Wenn Sie den Baß oder die Höhen mit Hilfe der Klangregler anheben,
sinkt die Belastbarkeit drastisch ab!
Es wird Ihnen nicht so vorkommen, aber bei doppelter Lautstärke im Baß
geben Sie ihm schon die zehnfache Leistung - beim Hochtöner ebenso.
Die meisten Klangregler an HiFi-Geräten erlauben Anhebungen bis zur
vierfachen Lautstärke, das ist also schon die hundertfache Leistung!
Im Übrigen kann es sein, daß Ihre Lautsprecher so tiefe Bäße gar
nicht mehr wiedergeben können - dann hören Sie also noch nicht einmal,
wieviel Ihr Baß jetzt mehr verkraften muß.
Agressive Dämpfe, Nikotin, Lösungsmittel, ozonhaltige Luft (durch
Laserdrucker, sonstige Luft-"Erfrischer" und Geräte mit
Hochspannung) sowie unsere Atmosphäre der letzten Jahrzehnte allgemein
greifen die Gummiaufhängungen ("Sicken") der Chassis an, die
dann verspröden und letzten Endes reißen können.
Dies gilt auch durch UV-Bestrahlung (Sonne, Höhensonne, spezielle
Pflanzenlampen). Der Grund ist das Vorhandensein freier Radikale, die
das Polymer abbauen.
Übrigens sind hiervon nicht nur die Sicken, sondern auch
Folienlautsprecher (Elektrostaten, Magnetostaten) betroffen.
Hier hilft nur ein "reconing", daß allerdings meist nur für
sehr teure Lautsprecher und im Profi-Bereich angeboten wird. Das
reconing zweier Baß-Chassis kann - je nach Hersteller - zwischen 400.-
und 600.- DM kosten. Der Ersatz von Folien ist im Verhältnis gesehen
noch teurer.
Mechanisches "Eindellern" der Mittel- und Hochtonkalotten
sowie der Staubschutzkalotten von Baß-Chassis, durchstechen von
Membranen, zerreißen von Bändchen und Folien-Lautsprechern sind
weitere häufige Mißgeschicke.
Manchmal kann man eingedrückte Membranen wieder herausziehen mit einem
gebogenen, spitzen Gegenstand - etwa einer Zahnsonde - oder mit Hilfe
eines Klebebandes.
Es ist jedoch zu großer Vorsicht zu raten, man braucht Erfahrung
und/oder Gefühl dafür, wie steif die Kalotte ist. Schnell hat man ein
Stück davon in der Hand.
Außerdem sind einige Modelle mit speziellen hochviskosen Fluiden getränkt,
die man dann entfernt. Stören Sie sich übrigens nicht an Fusseln, die
an solchen Kalotten kleben. Sie könnten Sie mit Tesafilm beseitigen,
aber den Film auch - was wohl das schlechtere Ergebnis wäre. Die
Fusseln hören Sie nicht.
Wieviel Leistung soll oder darf ein Verstärker in
Relation zu den Lautsprechern haben?
Zuerst einmal die schlechte Nachricht: Es gibt keine pauschale Antwort,
die nicht von Ihrem eigenen Verhalten abhängig wäre.
Nun aber die gute Nachricht: Wenn Sie die folgenden Zeilen lesen und
beherzigen, halten Ihre Boxen länger - ungeachtet der Leistung.
Wie die Leistung mit der Lautstärke zusammenhängt:
Unser Ohr nimmt Lautstärkeunterschiede nicht linear wahr, sondern
logarithmisch. Das Verkältnis von der kleinsten wahrgenommenen Lautstärke
bis zur Schmerzgrenze beträgt ca. eins zu 1.000.000.000.000 ! (Auch das
Auge vermag ein ähnlich großes Verhältnis zu erfassen.) Damit ein
Lautsprecher doppelt so laut klingt, brauchen Sie nicht die doppelte
Leistung, sondern die zehnfache! Für die vierfache Lautstärke
also schon die hundertfache, u.s.w.! Wenn Sie also nicht
"Vollgas" hören, wird Ihr Verstärker meistens weit unterhalb
eines Watts arbeiten, bei geringer Lautstärke unterhalb eines
tausendstel Watts. Sie sehen aber auch, daß ein Verstärker immerhin
1000 Watt benötigt, um doppelt so laut zu werden wie ein Verstärker
mit 100 Watt, 10.000 Watt für die vierfache Lautstärke!
Nun gibt es aber offensichtlich Anlagen, die weitaus lauter sind als
andere. Dies liegt am Wirkungsgrad. Ähnlich wie bei einem Automotor,
der bestenfalls ein Drittel der eingesetzten Energie an die Räder
bringt, sieht es bei Lautsprechern aus. Allerdings liegt dort der
Wirkungsgrad meistens weit unter einem Prozent. Professionelle Systeme
mit sehr großen Abmessungen für Konzerte erreichen bis zu 10 oder gar
20 Prozent. Diese sind dann weitaus lauter bei gleicher Verstärkerleistung!
Bei einem Auto wollen Sie auch hohe Geschwindigkeit, nicht hohen
Verbrauch. Das ist aber nicht dasselbe. Ein Auto kann bei Tempo 120 6
Liter Benzin verbrauchen, ein anderes 15.
Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad zu bauen ist nicht einfach - ähnlich
wie ein Auto das sparsam sein soll. Man benötigt große Magnetantriebe
an den einzelnen "Chassis" und große Gehäuse. Verzichtet man
auf tiefen Baß, so geht es auch kleiner. Die Physik ist nicht zu überlisten,
für tiefen Baß benötigen Sie immer verhältnismäßig große Gehäuse
oder enorme Verstärkerleistungen unter Einsatz aktiver Entzerrungen
(Equalizer sozusagen). Aber das ist auch nur eine Notlösung, die -
falls gut ausgeführt - weitaus teuerer als ein großes Gehäuse ist. Für
den Baß brauchen Sie auch die meiste Leistung, der Hochtöner erhält
selten mehr als ein hundertstel der Gesamtleistung. Extrem laute
Hochtonsysteme für Live-Konzerte, wo alleine der Hochtöner über 15
Kilo wiegen kann, haben elektrische Spitzenleistungen von selten mehr
als 30 Watt. Baßsysteme mit bis zu tausend Liter Nettovolumen können
Chassis mit über 1000 Watt elektrischer Belastbarkeit aufweisen. Solche
Chassis kosten aber auch oft mehr als 1000 DM pro Stück, und sind für
kleine Gehäuse völlig ungeeignet.
Welche Leistungsangaben git es?
Nun, es gibt hauptsächlich die Sinus-Leistung, die Musik-Leistung und
"rosa Rauschen". Die Sinus-Leistung ist wenig aussagekräftig,
die Musikleistung noch weniger, am ehesten ist die Leistung gemessen mit
rosa Rauschen geeignet. Allerdings sagen diese ja nichts über die
Lautstärke aus.
Der Wirkungsgrad wird in Dezibel pro Watt und Meter angegeben. (dB/W/m)
Er sollte nicht unter 86 liegen, gute Werte sind 90, professionelle
Systeme erreichen Werte von 96 und darüber. Die Sinusleistung sagt aus,
bis zu welcher Leistung ein Lautsprecher bei der angegeben Frequenz überlebt.
Allerdings ist ja die Belastbarkeit von der Frequenz abhängig, sie ist
im Baßbereich viel höher. Die Musikbelastbarkeit soll das tatsächliche
Geschehen besser simulieren, sie wird nicht dauerhaft gemessen, sondern
nur in Sekundenlänge mit Sekundenabständen. Dies entspricht eher der
Musik mit ihren unterschiedlichen Lautstärken.
Das rosa Rauschen enhält nicht eine einzige Frequenz, sondern das ganze
Frequenzspektrum in einer ungleichmäßigen Verteilung. Die Leistung
nimmt zu hohen Frequenzen hin ab - so wie es in der Musik tatsächlich
der Fall ist. Die Zusammensetzung ist genormt und reproduzierbar. Dieses
rosa Rauschen ist das einzige verwendete Maß im Profi-Bereich. In der
HiFi-Industrie ist es eher ungebräuchlich, da die Werte sehr viel
niedriger ausfallen. Die meisten Lautsprecher besitzen hier Werte unter
100 Watt - wo ein HiFi-Hersteller nach üblichen Angaben getrost 600
Watt oder mehr Musikbelastbarkeit angeben würde. Die
Belastbarkeitsangaben gemessen mit rosa Rauschen sind direkt miteinander
vergleichbar - ungeachtet des Herstellers. Zusammen mit den angegebenen
Wirkungsgraden können Sie sofort wissen, wie laut die Systeme absolut
und im Vergleich zueinander sind. Hiervon kann der HiFi-Kunde nur träumen.
Macht mein 250 Watt Verstärker meine 100 Watt Lautsprecher kaputt?
Nehmen wir an, dies wären Angaben in rosa Rauschen. Dann wäre (wenn
die Musik eine normale spektrale Verteilung hat) dies nach einiger Zeit
(Minuten) Volleistung der Fall.
Bei der Angabe von anderen Lautsprecher-Leistungen (DIN, Sinus, Musik)
ist dies ein Ratespiel. Wenn der Verstärker nicht ins clipping
gefahren wird (s.u.) und die Boxen noch nicht verzerren, ist die Gefahr
klein.
Macht mein 100 Watt Verstärker meine 250 Watt Lautsprecher kaputt?
Definitiv ja, wenn Sie folgendes beherzigen:
Sobald ein Lautsprecher Signale bekommt, die außerhalb des
Frequenzbandes liegen, für das er gedacht ist, wird er sehr schnell
zerstört! Ein Hochtöner ist mit 5 Watt Baßsignal oder Gleichstrom (=
Frequenz von 0 Hz) schnell zerstört. Er kann dem Signal in der
Geschwindigkeit nicht mehr folgen, verharrt in einer festen Position und
muß nun alle Energie komplett in Wärme umsetzen.
Bei Gleichspannung kann er außerdem weit über die mechanisch
akzeptable Grenze raus- oder reingedrückt werden - die Aufhängung reißt.
Ein Hochtöner kann wegen der steifen Aufhängung nicht langsam bewegt
werden, ein Baßlautsprecher wegen des hohen Gewichtes der Membran nicht
schnell. Gleichspannung oder hohe Frequenzen außerhalb des Hörbereiches
zerstören daher die Lautsprecher schnell. Als Grenze kann man annehmen,
daß 5 Watt Gleichspannung oder extrem hohe Frequenzen einen Hochtöner
zerstören, 50 Watt einen Baß.
Ein Verstärker, der über seine Leistungsgrenze getrieben wird, gerät
ins "clipping". Da die Versorgungsspannung Plus und
minus XXX Volt beträgt, kann kein Signal unverzerrt größer werden als
diese Spannung.
Wird das Signal aber noch größer von ihm abverlangt, so wird alles über
und unter dieser Versorgungsspannung waagrecht abgeschnitten. Diese
abgeschnittenen Stücke entsprechen aber einem Gleichspannungssignal, da
während deren Dauer keine Bewegung mehr erfolgt. Zudem passiert dies ja
auch noch bei der maximalen Leistung, die ein Verstärker überhaupt
abgeben kann. Diese Form der Verzerrungen führen also zum sehr
schnellen Tod der Lautsprecher - auch wenn der Verstärker nur 50 Watt
hat, aber auf den Boxen 500 Watt draufsteht! Es kommt noch schlimmer:
Die meisten Verstärker arbeiten in diesem clipping-Bereich so unsauber,
daß sie Hochfrequenzsignale hinzumischen - sie "schwingen".
Diese HF-Signale tun ihr Übriges während den Phasen zwischen den
abgeschnittenen Bereichen. Außerdem wird Ihr Verstärker selbst nach
einiger Zeit zerstört.
Auch die Kuzschlußschutzschaltungen sprechen hier oft nicht mehr an.
Sie sind dafür ausgelegt beim Einschalten des Verstärkers zu testen,
ob die Kabel in Ordung sind. Brennt Ihnen ein Lautsprecher bei höchster
Leistung durch, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß er einen
Kurzschluß erzeugt. Die Schutzschaltung ist bei dieser Leistung nicht
mehr schnell genug, den Verstärker zu schützen. Sie dürfen nun
wahrscheinlich Ihre halbe Anlage zu uns bringen.
Demzufolge ist ein Verstärker mit höherer Leistung sicherer als einer
mit geringerer. Er wird erst viel später ins clipping getrieben, da er
mehr Reserven besitzt.
Ein Anhaltspunkt sind immer Ihre eigenen Ohren:
Sobald Sie bei hoher Lautstärke höhrbare Verzerrungen wahrnehmen, sind
Ihre Lautsprecher in allergrößter Gefahr!
Drehen sie den Lautstärkeregler einige Milimeter weiter zurück als bis
zu dem Punkt, ab dem die Verzerrungen hörbar werden. Denn den genauen
clipping-Punkt, wo das Abschneiden der Signale einsetzt, können Sie
noch nicht hören. Die Verzerrungen liegen dann nur in den absoluten
Spitzenpegeln, und werden so von der restlichen Musik maskiert.
Weitere Gefahrenquellen:
Wenn Sie den Baß oder die Höhen mit Hilfe der Klangregler anheben,
sinkt die Belastbarkeit drastisch ab!
Es wird Ihnen nicht so vorkommen, aber bei doppelter Lautstärke im Baß
geben Sie ihm schon die zehnfache Leistung - beim Hochtöner ebenso.
Die meisten Klangregler an HiFi-Geräten erlauben Anhebungen bis zur
vierfachen Lautstärke, das ist also schon die hundertfache Leistung!
Im Übrigen kann es sein, daß Ihre Lautsprecher so tiefe Bäße gar
nicht mehr wiedergeben können - dann hören Sie also noch nicht einmal,
wieviel Ihr Baß jetzt mehr verkraften muß.
Agressive Dämpfe, Nikotin, Lösungsmittel, ozonhaltige
Luft (durch Laserdrucker, sonstige Luft-"Erfrischer" und Geräte
mit Hochspannung) sowie unsere Atmosphäre der letzten Jahrzehnte
allgemein greifen die Gummiaufhängungen ("Sicken") der
Chassis an, die dann verspröden und letzten Endes reißen können.
Dies gilt auch durch UV-Bestrahlung (Sonne, Höhensonne, spezielle
Pflanzenlampen). Der Grund ist das Vorhandensein freier Radikale, die
das Polymer abbauen.
Übrigens sind hiervon nicht nur die Sicken, sondern auch
Folienlautsprecher (Elektrostaten, Magnetostaten) betroffen.
Hier hilft nur ein "reconing", daß allerdings meist nur für
sehr teure Lautsprecher und im Profi-Bereich angeboten wird. Das
reconing zweier Baß-Chassis kann - je nach Hersteller - zwischen 400.-
und 600.- DM kosten. Der Ersatz von Folien ist im Verhältnis gesehen
noch teurer.
Mechanisches "Eindellern" der Mittel- und
Hochtonkalotten sowie der Staubschutzkalotten von Baß-Chassis,
durchstechen von Membranen, zerreißen von Bändchen und
Folien-Lautsprechern sind weitere häufige Mißgeschicke.
Manchmal kann man eingedrückte Membranen wieder herausziehen mit einem
gebogenen, spitzen Gegenstand - etwa einer Zahnsonde - oder mit Hilfe
eines Klebebandes.
Es ist jedoch zu großer Vorsicht zu raten, man braucht Erfahrung
und/oder Gefühl dafür, wie steif die Kalotte ist. Schnell hat man ein
Stück davon in der Hand.
Außerdem sind einige Modelle mit speziellen hochviskosen Fluiden getränkt,
die man dann entfernt. Stören Sie sich übrigens nicht an Fusseln, die
an solchen Kalotten kleben. Sie könnten Sie mit Tesafilm beseitigen,
aber den Film auch - was wohl das schlechtere Ergebnis wäre. Die
Fusseln hören Sie nicht.
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